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Kommando SKB professionalisiert die Sportausbildung in der Truppe: Spitzensportler werden als „Trainer Sport/KLF Bw“ ausgebildet

Für die Auftragserfüllung aller Soldatinnen und Soldaten spielt die körperliche Leistungsfähigkeit (KLF) eine wesentliche Rolle. Mit hauptamtlichen Sportausbilderinnen und Sportausbildern soll das Training KLF in der Truppe in den kommenden Jahren nachhaltig professionalisiert werden. Diesen Auftrag hat die Abteilung Ausbildung im Kommando Streitkräftebasis übernommen. Die Projektleitung liegt bei der Referentin für Sport/KLF und Diplom Sportwissenschaftlerin Dr. Daniela Klix.

Zivilistin in Gesprächssituation
Die Diplom-Sportwissenschaftlerin OTL d.R. Dr. Daniela Klix hat die Projektleitung für das Konzept „Professionalisierung der Sportausbildung in der Truppe. (Quelle: KdoSKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Vor einem Jahr wurde das „Maßnahmenpaket Weiterentwicklung Spitzensport“ auf den Weg gebracht. Was sind die zentralen Punkte dieses Maßnahmenpaketes?

Wir verfolgen drei Ziele: Die Professionalisierung der Sportausbildung hin zur Hauptamtlichkeit, die Möglichkeit für ehemalige Spitzensportler, entsprechend ihrem Fähigkeitsprofil adäquat eingesetzt zu werden und die Bundeswehr öffentlichkeitswirksam als attraktiven Arbeitgeber zu zeigen - sowohl für den zukünftigen Soldaten als auch für den ehemaligen Spitzensportler.

Wie soll die Sportausbildung in der Truppe professionalisiert werden?

Zurzeit werden 14 ehemalige Spitzensportler in unserem Pilot-Lehrgang „Trainer Sport/KLF Bw“ an der Sportschule Warendorf ausgebildet. Der Lehrgang dauert 12 Wochen. Die Absolventen sollen dann innerhalb einer Erprobungsphase am Standort Munster aktiv die Truppe ausbilden. Zukünftig soll es so aussehen, dass wir einen Trainer Sport/KLF für 120 Soldaten haben. Diese Einheit soll er betreuen und systematisch auf alle Aufgaben vorbereiten, die die Einheit, also beispielsweise eine Panzergrenadierkompanie, gemäß ihres Primärauftrages bewältigen muss.

Zivilistin in Gesprächssituation
Dr. Daniela Klix: „Eine Systematik im Sinne der Auftragserfüllung findet in der Sportausbildung der Truppe derzeit in aller Regel nicht statt.“ (Quelle: KdoSKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Steht es um Sportausbildung in der Truppe so schlecht? Welche Defizite gibt es?

Das Hauptdefizit in der Truppe ist die Nebenamtlichkeit der Sportoffiziere und –unteroffiziere. Sie werden zwar in einem vierwöchigen Lehrgang als Übungsleiter ausgebildet und sind befähigt, die allgemeine Sportausbildung durchführen und leiten zu können. Aber so werden sie in der Truppe häufig nicht eingesetzt. Sie müssen ihre Einheiten und Teileinheiten führen oder andere Aufgaben wahrnehmen und haben zumeist gar nicht die Zeit, den Sport systematisch vor- und nachzubereiten. Wie sieht denn die Sportausbildung in der Truppe aus? Da wird gelaufen oder man geht auf den Bolzplatz zum Kicken. Eine Systematik im Sinne der Auftragserfüllung findet dort in aller Regel nicht statt. Das neue Konezept wird die Truppe daher nachhaltig entlasten und mit der hauptamtlichen Durchführung zur Professionalisierung des Sports und der KLF beitragen. Die Nebenamtlichen werden aber auch weiterhin ihren Beitrag zur Sportausbildung leisten.

Steht die Initiierung des Maßnahmenpaketes in ursächlichem Zusammenhang mit den Vorgängen in Munster im Juli 2017? Damals waren vier Offizieranwärter u.a. wegen mangelnder körperlicher Leistungsfähigkeit (Übergewicht, Asthma, Body-Mass-Index über 31) bei einem Marsch kollabiert; ein OA starb.

Das ist sicherlich ein Faktor, den wir nicht leugnen sollten. Aber es spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Die Truppe fordert schon seit Jahren die Hauptamtlichkeit. Die Überlegungen standen vorher schon im Raum, aber die Vorfälle in Munster haben diesen Umdenkprozess zusätzlich angestoßen. Ein anderer Faktor ist der demografische Wandel und die geringere körperliche Leistungsfähigkeit in der Gesellschaft allgemein. Bei den jungen Rekruten wird heute lediglich die Trainierbarkeit festgestellt aber nicht die Qualität des körperlichen Leistungszustandes. Der BMI darf jetzt nach Angaben BAPersBw bei der Einstellung sogar bis zu 40 sein. Aber 40 bedeutet im Grunde Adipositas, also Fettleibigkeit. Das ist nach der WHO-Definition ein behandlungsbedürftiges Krankheitsbild. Wenn wir die Latte bei der Einstellung so niedrig legen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Rekruten bei der Ausbildung kollabieren.

Porträtfoto Zivilistin
OTL d.R. Dr. Daniela Klix gehörte 2001 zu den ersten weiblichen Offizieranwärterinnen in der Kampftruppe. (Quelle: KdoSKB/Alpers)Größere Abbildung anzeigen

Seit dem 10. September läuft der Pilotlehrgang „Trainer Sport/KLF Bw“ in der Sportschule Wahrendorf. Welche Ausbildungsinhalte werden vermittelt?

Die Absolventen sollen darauf vorbereitet werden, später eigenständig für eine Einheit einen Jahresausbildungsplan oder Makrozyklusplan zu schreiben und durchzuführen - in Anlehnung an den Ausbildungsplan, den der Chef durchführen muss. Es wird aber auch Praxis vermittelt, also Methodik und Didaktik der Sportausbildung, damit der Trainer bestimmte Themen vermitteln kann, also beispielsweise Training nach der Herzfrequenz.

Im Befehl für die Durchführung der Erprobungsphase ist auch vom „Manager Sport/KLF Bw“ die Rede. Welche Aufgaben haben die Manager Sport/KLF Bw?

Wir haben jetzt schon mit den 36 Sportlehrern Truppe einen gewissen Anteil Hauptamtlichkeit. Dazu kommen vier leitende Sportlehrer. Das sind also 40 hauptamtliche Sportlehrer für die gesamte Truppe. Das entspricht einem Verhältnis von 1:5.000. Die können sich in der Fläche bisher nicht wirklich auswirken. Aber mit der Einführung des Trainer Sport/KLF werden sie als Manager Sport/KLF die Führung und Koordination der Trainer übernehmen. Zugleich bleiben sie in die Ausbildung integriert und sollen Ausbildungsanteile übernehmen.

Die Ausfächerung auf die Truppe ist ab 1. Januar 2021 vorgesehen. Was heißt konkret „Ausfächerung“? In welchen Einheiten und Verbänden wird es dann „Trainer Sport/KLF Bw“ geben?

Wir gehen vom Berechnungsschlüssel 4 x 45 Minuten Sport bzw. Training KLF wöchentlich für jeden Soldaten aus. Das ergibt bei 120 Soldaten je Trainer, 18 Ausbildungsstunden pro Woche und 20 Teilnehmern je Trainingseinheit einen wöchentlichen Stundenansatz von 360 Stunden. Das ist ein limitierendes Element. Das zweite limitierende Element ergibt sich aus der Gesamtzahl von 744 Spitzensportlern in der Truppe, aus denen wir die Trainer Sport/KLF gewinnen wollen. Das dritte limitierende Element ist die Ausbildungskapazität der Sportschule, die momentan maximal 50 Trainer Sport/KLF pro Jahr ausbilden kann. Wir werden also bis etwa 2025 damit beschäftigt sein, die 360 Trainer Sport/KLF aufzubauen, die wir gemäß Berechnungsschlüssel für die Truppe benötigen. Die Verteilung auf die Truppe orientiert sich dabei vor allem am Einsatzauftrag der Verbände und der Ausstattung der Standorte mit den entsprechenden Ausbildungseinrichtungen. Dabei sollen die Trainer fester Bestandteil der Einheiten werden, damit ein sportpsychologisches Vertrauensverhältnis entstehen kann.

Zur Person

OTL d.R. Dr. phil. Daniela Klix (39) ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und Dozentin an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG). Für die Bundeswehr war sie zuletzt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrkraft im Institut für Sportwissenschaften an der Uni BW München tätig. (Sie gewann den Marathonlauf auf der Chinesischen Mauer, startete fünfmal erfolgreich bei Weltmeisterschaften im Crosslauf und Marathon, ist Trägerin des schwarzen Gürtels in Taekwondo und wurde 2007 deutsche Meisterin (Militär) im Triathlon. Aber Daniela Klix hat nicht nur sportliche Ambitionen: 2001 war sie eine der ersten Frauen, die die Offizierslaufbahn in der Kampftruppe einschlugen. Sie stand in Afghanistan als erster weiblicher Zugführer der Bundeswehr im Gefecht und führte erfolgreich 30 Panzergrenadiere, die in der unruhigen Nord-Provinz Kundus in einen Hinterhalt der islamistischen Kämpfer geraten waren.


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Stand vom: 06.11.18 | Autor: 


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